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Wachse Pflänzli, wachse!

das innere Dingsdongs als Dünger?

Pflänzchen.jpg

"Vem kan segla förutan vind..."

"Wer kann segeln ohne Wind..."

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schwedisches Volkslied

Es gibt Momente in denen ich am liebsten nur in meinem Flow leben würde, wo alles rund läuft, wo ich ganz in meinem Vertrauen bin, wo ich in dieser Klarheit bin und es einfach vor sich hinplätschern lassen könnte. Es nicht schwierig wird, keine unnötigen Hindernisse da sind und ich einfach wow, daher flowe. ABER da ist ja noch dieses eine etwas, diese Welt da draussen, diese vielen Erwartungen, dieser Druck, diese Deadlines, dieses Müssen, diese Ansprüche, diese Zahlungen, diese Verpflichtungen, diese… und vor allem: diese vielen Menschen, mit den vielen verschiedenen Gesichtern, vor deren Kritik ich mich fürchte und am liebsten verkriechen würde.

 

UUUUNNNDDDD dann ist da mein eigenes inneres kritisches Dings, das penibel genau darauf achtet, dass es bei mir nichts zu kritisieren gibt, das mich immer im Auge behält, wie eine Überwachungskamera 24/7. Selbst im Schlaf: man könnte ja schnarchen. Wie grusig!

 

UUUUNNNDDD weiter: jetzt ist es nur logisch, dass ich dieses Dings, einfach nur loswerden möchte, dass ich es abschütteln, auf den Mond schiessen, WEGHABEN WILL! Ist ja klar, oder? Was würde das heissen: Leben im Einsiedlertum? Leben mit Tieren? Leben auf der Antarktis? Oder noch besser: Leben auf dem Mond! Ja, dorthin müsste ich, wobei ich das natürlich nur dann machen kann, wenn ich das kritische Dingsdongs, nicht selbst schon dorthin verbannt habe.

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Letzes Jahr habe ich 10 Monate Zeit gehabt für mich. Zeit für Projekte, Ruhe für nichts, Zeit für Trauer, Zeit, um die Wunder der Natur zu entdecken, Zeit, um meine eigene Leidenschaft zu entdecken. Es war einfach nur wunderbar! Eine Insel und obwohl ich viel Zeit nur mit mir erlebt habe, habe ich mich null einsam gefühlt. Ich war sehr verbunden mit mir.

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Und dann: dann habe ich mich langsam wieder der Welt geöffnet, mich wieder zugewandt, wieder reingeblinzelt und vorzu den Schritt ‘zurück in die Welt’ gemacht. Und es war überwältigend, in vielerlei Hinsicht. Plötzlich war alles wieder da, die Verpflichtungen, die Menschen, die sozialen Herausforderungen, die Normen, die einzuhalten waren… es war schlichtweg beängstigend und alles an mir, wollte zurück auf die Insel, von der ich herkam. Hier im Meer war es einfach schwierig, sich über Wasser zu halten und anstrengend und überhaupt. Die Angst vor dem Alleinsein hat das alles ziemlich trübisiert. Ich fühlte mich zurückgeworfen. Schamgefühle für mein Neu-Entdecktes waren sofort zur Stelle: So, sofort wieder vertecken, dann gelingt das auch wieder mit dem Funktionieren.

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ZUM GLÜCK war das Innere, Neu-entdeckte, Lebendige stärker! Und zwar so stark, dass es trotz diesem Allem da draussen und den widrigen Umständen, stärker war und sich durchgewunden hat, trotzdem da zu bleiben. Anfangs noch ein zartes kleines Pflänzli, das diese kritische Kraft, die mich vor all dem Gfürchigen da draussen beschützen und es sofort wieder verstecken wollte, am liebsten selbst ausgerissen hätte und eigenhändig auf dem Kompost entsorgt hätte – lieblos weggeschmissen.

Es wäre vermutlich einfacher gewesen! Ich hätte mich nicht mehr stellen müssen, alles schön unter den Deckel, zurück dahin, wo du es kennst, ins Bekannte, ins Beamtentum. Nicht ab durch die Hecke, sondern ab in die Sicherheit.

 

ABÄÄÄR, das Pflänzli war schon stark genug, es gab nicht kampflos aus, es wuchs. Es wuchs aus dem Gefühl heraus, dass es sich richtig anfühlt, dass es sich würdig anfühlt, dass es sich integer anfühlte.

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Also easy war das nicht, ist es nicht und wird es vermutlich auch nicht werden (wobei unter uns: ein bisschen easier verspreche ich mir schon, schliesslich ist es schon besser geworden und wenn so ein Pflänzli wächst, dann hat es ja doch ziemlich viel Kraft mit der Zeit), aber definitiv spannend! Es ist Reibung, es ist Auseinandersetzung und es ist vor allem eigenes Wachstum, das dadurch ermöglicht wird. Letzthin habe ich einen Freund gefragt: Sehnst du dich nicht auch manchmal danach, in so einer Bubble zu leben, wo man ganz dem Eigenen nachgehen kann. Er meinte dann: hm, ja und nein, ich denke, ich würde es auch vermissen, dieses kreative Lösungen finden. Das hat etwas in mir bewegt und ich dachte: Ja, das würde ich tatsächlich auch vermissen!

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Denise Brem, 29.10.2026

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