top of page

Grenzen setzen leicht gemacht

leider nein!

20260203_153329_edited.jpg

 "Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern die Entscheidung, dass etwas anderes wichtiger ist". 

 Ambrose Redmoon

Ich wünschte aus tiefstem Herzen, ich könnte sagen, dass es mir einfach fällt. Dass ich es kann. Dass ich jederzeit hinstehen kann und sagen kann: Stopp! Bis hierhin und nicht weiter.


Aber nein – an dem Punkt bin ich leider (noch?) nicht…

Immer noch gibt es einen Teil, der in Anpassung geht, sobald in mir Panik kommt. Wenn eine Ohnmacht kommt, wenn ich das Gefühl habe, jemand bestimmt über mich, dann kommt Panik und ich kann nicht mehr klar denken. Ich verliere mich, verhasple mich, werde weinerlich: Ah, da bist du ja wieder: «Hallo Opfer»!

Ach, wie ich das hasse. Wie ich mich selbst dafür hasse, dass ich es einfach nicht kann. Und wie es mich traurig macht, dass ich mich hasse – und überhaupt dieses Wort im Zusammenhang mit mir verwende: Ich hasse mich.
Das ist definitiv nicht nett. Nicht nett zu mir, nicht liebevoll – nein, es ist das Gegenteil. Ich könnte mich jetzt auch noch dafür hassen, dass ich mich gerade hasse. Hassen ist ein hässliches Wort!

Es interessiert mich, woher dieses Wort kommt, was die genaue Bedeutung ist. Ich lese nach und das Internet sagt: 'feindselige Abneigung, starkes Gefühl der Ablehnung und Feindschaft.' Es ist also etwas, das man weit weg von sich haben möchte.
Wenn ich mich also selbst hasse, wird das ziemlich schwierig. Ich wohne ja in meinem Körper. Ich kann mich schlecht ganz weit wegtun, weil ich ja ich bin und in mir drin bin.

Ich lehne mich selbst ab – oder zumindest einen Teil von mir. Einen Teil, der immer der Beziehung zuliebe alles macht. Symbolisch ist dieser Teil bei mir ‘Dobby’. Er ist der Inbegriff von Unterwürfigkeit.

In mir stockt der Fluss und ich überlege: Herrje, kann man sich so nackt zeigen gegen aussen? Kann man sein Inneres so nach aussen tragen? Was wird man denken? Oh, da ist sie schon wieder, die Scham: «Hallo Scham». Wunderbar – jetzt fühle ich mich schuldig, weil ich mich hasse, und ich schäme mich auch noch dafür. Meine beiden liebsten Spieler einmal mehr gleichzeitig auf dem Terrain.

 

Und ich weiss doch eigentlich: Wenn das passiert, dann trage ich irgendwo keine Verantwortung. Ich stehe nicht hin, ich sage nicht Stopp. Aha, schön – den Ärger gegen mich richten, dann muss ich ihn nicht gegen andere richten.

 

Steh mal endlich hin, Denise: Steh hin und zeig dich. Stell die Beine stark und klar auf den Boden, stemme deine Fäuste in deine Taille und STEH ENDLICH HIN!
Ich will ja. Aber da ist diese Angst, die mich immer gleich wieder einnimmt. Aha, ich habe etwas falsch gemacht – und schon bin ich winzig, wie ein Floh.

Was mich an eine Passage aus einem meiner Lieblingsbücher – Das kleine Ich bin ich – erinnert:

„Stimmt es, dass ich gar nichts bin? Alle sagen, ich bin keiner, nur ein kleiner Irgendeiner… Ob’s mich etwa gar nicht gibt? Bin kein Fisch, kein Pony und kein Nilpferd und kein Hund, nicht einmal ein Hundefloh – oooh!“

 

Welch traurige Passage.
Aber direkt danach folgt:

 

„Und das kleine bunte Tier, das sich nicht mehr helfen kann, fängt beinah zu weinen an. Aber dann… Aber dann bleibt das Tier mit einem Ruck, mitten im Spazierengehen, mitten auf der Strasse stehen, und es sagt ganz laut zu sich: Sicherlich gibt es mich: Ich bin Ich!"

 

JA! HALLO – da bin ich!
Ich bin hier. Ganz klar und gross. Siehst du mich?

Da stehe ich und sage laut und deutlich: Stopp!
Hier ist meine Grenze – und die ziehe ich


JETZT.

Denise Brem, 15.04.2026

bottom of page