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Aussen Toppits - innen Geschmack

Persönlichkeitsentwicklung à la Denise

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"Wenn ich den Krieg in mir drin führe, dann muss ich ihn im Aussen nicht führen."

Wir Menschen sind oft mit uns selbst in innerem Widerstand und führen innerlich Krieg. Das hemmt und blockiert uns, uns zu entwickeln. Dieser Krieg ist insofern hilfreich, als dass er uns auch hemmt, auf Schwieriges zu blicken, auf Dinge, die uns wehtun. Und auch: Wenn ich den Krieg in mir drin führe, dann muss ich ihn im Aussen nicht führen. Es ist ein Versuch, das innere System aufrechtzuerhalten, während wir uns im Aussen nicht mit Nein wehren oder nicht zu uns stehen, weil es vielleicht von einer Erwartung des Gegenübers oder von der Norm abweicht und dadurch einen Konflikt («Krieg») im Aussen vermeidet. Konflikte im Aussen sind für uns oft gefährlich und wir gehen gerne darum herum. Es ist unangenehm, wir winden uns. Wir können dadurch nicht kontrollieren, was beim Gegenüber passiert, wenn wir plötzlich zu uns stehen, wenn wir z.B. Dinge benennen. Gleichzeitig passiert häufig etwas Interessantes: Plötzlich kehrt innerlich mehr Frieden ein. Mein innerer Kritiker beispielsweise, der merkt plötzlich: Hey, da ist jemand, der/die übernimmt Verantwortung. Und so kann er sich tatsächlich langsam, aber sicher zurückziehen und muss gar nicht mehr so innerlich kämpfen. Das Übernehmen von Verantwortung ist aber nicht ganz ohne. Es ist schwierig und hat aus meiner Sicht mit Treue zu sich selbst zu tun. Mit Würde. Mit Integrität.

Jedenfalls, so wie ich arbeite, das weicht oft schon mal von der «Norm» ab, das ist ungewohnt. Ich lasse mich auf mein Gegenüber ein. Ich schwinge mit meinem Gegenüber mit. Dadurch bin ich ein Spiegel meines Gegenübers. Gleichzeitig bleibe ich im Kontakt und bin da mit meinem inneren Beobachter, der das Ganze immer mitbeobachtet, kommentiert und Worte für wortlose Zustände einbringt. Ich arbeite mit dem, was mir entgegenkommt. Das ist nicht nur angenehm, aber es schafft auch viel Verständnis für einen selbst und es ermöglicht neuen Spielraum. Verstecktes wird endlich gesehen.

 

Ich habe schon früh die Eigenart entwickelt – oder vielleicht bin ich ja sogar damit geboren –, zu fühlen, was andere fühlen. Ich habe Konflikte anbahnen sehen, ich konnte erahnen, bis fast voraussagen, wie jemand auf etwas reagieren würde, ich hatte ein Gespür für Erwartungen und Wünsche. Und: Ich war Meisterin darin, dies sofort zu erfüllen, was einen schnell irgendwie beliebt macht. Und: Ich kann das immer noch. Aber: Ich folge dem nicht mehr blindlings – weil, wie man sich das vorstellen kann: Das ging auf meine Kosten. Jedenfalls habe ich über die Jahre mit viel Selbsterfahrung, Psychotherapie, Selbstverständnis und Auseinandersetzung mit mir gelernt, damit umzugehen, mit diesem Schatz zu jonglieren und mir selbst zu vertrauen. Ich habe begonnen, Distanz zu diesem Aktivismus zu finden, der immer gleich gefallen will. Ich habe es als Therapeutin zu einer Stärke von mir gemacht. Ich habe es zu etwas Nützlichem umfunktioniert. Das heisst, durch mein Gespür kann ich jemanden «erspüren» und «erfühlen» und kann gleichzeitig bei mir bleiben und jemandem sein eigenes Wesen vor Augen führen.

 

Durch dieses Nicht-den-Erwartungen-einfach-gerecht-Werden, sondern indem ich die Spannung halte – im besten Fall immer so weit, wie ich und mein Gegenüber es noch halten können –, gibt es plötzlich mehr Spielraum. Steigt mein Gegenüber mit ein und ist es ihm/ihr möglich, sich darauf einzulassen, entstehen dadurch eindrückliche Prozesse, in denen plötzlich blockierte Dinge in Bewegung kommen. Und das wiederum ermöglicht Veränderung blockierter, vielleicht sogar chronischer Zustände.

 

Für mich heisst das oft: Ich bin während einer Stunde ständig dabei, mich zu beobachten und zu regulieren. Auch, dass ich selbst im Vertrauen und in der Verbindung bleibe, selbst wenn etwas noch so verrückt im Aussen wirkt, um präsent zu bleiben und Zustände mittragen zu können, die kaum haltbar wirken, die uns fast «überkommen» bzw. überfluten. Wir bleiben aber da mit dem Zustand und er darf einfach sein. Und er darf sich ein Stück weit ausdehnen. Manchmal sind das Zustände, die halte ich innerhalb einer Sitzung. Manchmal sind das Zustände, die trage ich über mehrere Sitzungen hinweg mit.

 

Es gibt keine Garantie, dass es immer wirkt. Aber die Erfahrung zeigt tatsächlich, dass ich mittlerweile doch schon einige Mensch*innen begleiten durfte, bei denen in ihrem Leben vieles in Bewegung kommt – manchmal ganz plötzlich, manchmal nach langem, langem Festhalten.

Spontane Rückmeldungen die ich von den Mensch*innen, die ich begleiten durfte, über meine Arbeitsweise gehört habe, sind dann beispielsweise: 'diese Art zu arbeiten hier ist irgendwie irritierend und gleichzeitig fühlt es sich völlig natürlich an' oder auch: 'das fühlt sich nach Heimat an' und 'ich fühle mich hier wohl' oder was immer wiedermal passiert ist, dass jemand sagt: 'Ja, genau, so fühlt es sich bei mir an.' Und weiter kann es dann zum Beispiel passieren, dass jemand plötzlich merkt: 'ah, da habe ich ja noch ganz andere Optionen, nicht nur das oder jenes.' oder auch: 'Das ist verrückt, jetzt wo ich das erkannt habe, ist da plötzlich Ruhe in mir drin.' oder 'ich bin stolz auf mich' oder auch 'da könnte man ja plötzlich empathisch mit sich werden.' Auch schon hören durfte ich: 'Es ist viel passiert seit der letzten Sitzung, plötzlich ist da mehr Neugier in mir, vielleicht auch Hoffnung.'

Im Prozess dürfen wir dann immer wieder mal solche Situationen erleben. Das geschieht dann, wenn die Dinge gehalten werden und dadurch in Bewegung kommen dürfen. Wenn wir sie nicht mehr ignorieren oder versuchen wegzumachen, sondern wenn wir mit ihnen da sind und bleiben, nicht weggehen, wenn wir sie ernstnehmen und hinhören. Dann kommen neue Bewegungen rein, dann gehen neue Möglichkeiten auf, die bis dahin noch gar nicht gesehen wurden und sich etwas - manchmal längst überfälliges - entfalten darf.

 

Beginne ich etwas loszulassen und die Veränderung kommt, ist das unterwegs nicht immer nur angenehm. Weil es uns auch vor Dinge stellt, denen wir lange ausgewichen sind. Und nun sind wir plötzlich in der Situation, dass wir Neues ausprobieren. Immer wieder werden wir dabei scheitern – wie kleine Kinder, die laufen lernen. Aber je mehr wir die Erfahrung machen dürfen, dass wir mit uns in Verbindung bleiben, trotz dem Kontakt zu anderen, dass wir es schaffen hinzustehen, dass wir uns einmal nicht verstecken mussten, führt das mehr und mehr zu innerer Erfüllung. Es ist nicht einfach nur immer schön dort, aber mit Sicherheit lebendig, bunt und immer mehr und näher an dem, wer wir wirklich sind und führt uns langsam aber sicher zu unserem inneren Frieden hin. Den wir dann wiederum in die Welt raustragen dürfen.

Denise Brem, 24.08.2026

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